Minderwertigkeitsgefühle kennt jeder von uns. Alfred Adler beschreibt diese schon 1912.

«Mensch sein heisst, sich minderwertig fühlen! »

Kommen Minderwertigkeitsgefühle auf, leiden wir oft an einem verzerrten Selbstbild. Wir haben das Gefühl, nicht gut genug zu sein, stets etwas falsch zu machen und das auch nicht ändern zu können. Das Gefühl minderwertig und unzulänglich zu sein geht mit dem Gefühl der Unvollkommenheit einher. Daher fühlen wir uns unterlegen, klein und unbedeutend. Dies führt uns in eine Negativspirale. Aus dieser Selbstabwertung ist es schwer wieder herauszukommen.

Wie entstehen Minderwertigkeitsgefühle?

Minderwertigkeitsgefühle finden oft ihren Ursprung in der Kindheit. Fehlende elterlich Liebe und Anerkennung führen zu dem abwertenden Verhalten uns selbst gegenüber. Machen wir dann noch ähnliche Erfahrungen in der Schule und im Freundeskreis hat das erhebliche Folgen für unsere Selbstwertschätzung. So werden wir immer wieder mit unseren Mängeln konfrontiert, anstatt mit unseren Stärken und Talenten. Diese mangelnde Wertschätzung führt schon früh dazu, dass wir uns unserer Originalität und Individualität nicht bewusstwerden. Äussere Einflüsse prägen uns in der Kindheit. So entsteht recht früh ein destruktiver innerer Dialog mit uns und zu uns selbst. Daraus entstehen so genannte Glaubenssätze, mit denen wir uns selbst und die Welt bewerten.

Aber auch bei gut behüteten Kindern können Minderwertigkeitsgefühle entstehen. Verwöhnen wir unsere Kinder zu stark und schenken ihnen zu viel Aufmerksamkeit in unangemessenen Situationen, so kann durch das Umfeld ebenfalls mangelnde Wertschätzung und Ablehnung erfolgen. Die soziale Komponente spielt hier eine wesentliche Rolle.

Wenn wir uns schwer tun, Freundschaften zu knüpfen oder auf andere Menschen einzugehen, können hier ebenfalls Glaubenssätze wie «Ich bin es nicht wert! » oder «Ich bin schlechter als Andere», oder «Ich werde nicht akzeptiert! » entstehen und sich manifestieren.

Oft denken wir, «Ich bin anders! » und geben uns dann die Schuld für diese vermeintliche Unzulänglichkeit. Doch das ist eine Fehleinschätzung, da jeder individuell ist. Jeder von uns ist einzigartig. Genau das macht uns besonders.

Aufgrund unseres negativen Selbstbildes erzählen wir uns, dass wir es eh nicht ändern können. Es ist völlig egal was wir tun, es ist eh nicht richtig, hat keinen Wert und hat schon gar keine Bedeutung. Wir vergleichen uns mit anderen und machen uns dadurch schlechter als wir tatsächlich sind. Denn solange wir vergleichen, können wir nicht zufrieden und glücklich werden.

Es wird immer bessere geben. Dessen dürfen wir uns bewusst sein. Gehen wir stets in den Vergleich mit anderen, anstatt mit uns selbst, fliesst unsere Energie auch in diese Richtung. Das bedeutet unser Fokus ist nicht bei uns, sondern im Aussen. Wir konzentrieren uns nicht auf das, was wir können und vor allem wollen, sondern auf das, was wir nicht so gut können und lernen müssen, damit wir mit den anderen mithalten können. Die Beschäftigung mit unseren Unzulänglichkeiten oder Schwächenn katapultiert uns in einen Teufelskreis.

Sätze der Selbstsabotage:

«Das schaffe ich nicht! »

«Ich bin nicht gut genug»

«Warum sollte ausgerechnet ich …? »

«Ich bin ein Looser! »

«Ich habe das noch nie geschafft! »

«Es war schon immer so, das …! »

«Es wird nicht funktionieren! »

«Ich habe nicht das Talent, die Fähigkeit, das Potential, um …! »

«Typisch, das mir das passiert. «

Und viele mehr.

Reaktion auf deine negative Eigenkommunikation.

Kriegen wir unsere Eigenkommunikation nicht in den Griff, reagieren wir mit Schuld und Scham. Wir haben ein schlechtes Gewissen, machen uns weiter schlecht und betreiben Raubbau mit unserem Körper. Das Gefühl für uns selbst geht irgendwann komplett verloren und wir verhalten uns wie ein Roboter.

Es fällt uns schwer Kontakte zu knüpfen. Wir sind überzeugt, dass wir eh uninteressant, unattraktiv und langweilig sind. Auf der anderen Seite fällt es uns schwer «Nein» zusagen. Selbst mit einem starken Minderwertigkeitskomplex wollen wir das Gefühl haben, gebraucht zu werden, nützlich zu sein und uns dementsprechend einen gewissen Wert zu geben oder vielmehr geben zu lassen.

Die Angst vor Ablehnung bewirkt oft ein aufopferndes Verhalten über die eigenen Kräfte hinaus.

Bekommen wir dann Lob und Anerkennung für unsere Leistung, fällt es uns schwer dies anzunehmen. Aus unserem negativen Fremdbild heraus, glauben wir manipuliert zu werden. Wir glauben nicht, dass es ehrlich gemeint, geschweige denn berechtigt sein kann. Anstatt es anzunehmen oder dies zu äussern, schweigen wir oder boykottieren. Wir glauben zu wissen, dass unsere Meinung ohnehin keinen interessiert und fürchten Ablehnung.

Jeder Mensch hat Gefühle der Minderwertigkeit, ob es die Reinigungskraft oder der Manager ist. Der Unterschied ist, wie wir mit diesen umgehen.

Kompensation der Minderwertigkeitsgefühle

Wir kompensieren unser Minderwertigkeitsgefühl über nach aussen oder innen gerichtete Aggressivität. Wir hören, sehen und fühlen über die Sprache bspw. Tonart, Wortschatz, Floskeln, Redewendungen, Slang usw. das geringe Selbstwertgefühl. Auch in der Körpersprache wird es sichtbar. Oft ertränken wir uns in Alkohol, Drogen oder Medikamenten. Auch Spielsucht ist eine Form der Kompensation. Männer häufen Statussymbole an oder teure Wertgegenstände. Diese werden dann zur Schau gestellt. Frauen hingegen verurteilen sich selbst und ihren Körper oft durch Verstümmelung. Ich denke hier an die Borderline-Störung. Ein geringes Selbstwertgefühl erkennen wir auch bei gut aussehenden, extrem gepflegten, geschminkten oder operierten Frauen. Diese bauen dann ein arrogantes oder ignorantes Scheinbild auf. Das Minderwertigkeitsgefühl äussert sich in sozialen Abhängigkeiten wie Hörigkeit oder der Angst, etwas Falsches zu sagen oder zu machen. Minderwertigkeit zeigt sich auch durch unterschiedliche Phobien oder durch Passivität.

Eine typische Reaktion der eigenen Abwertung ist, dass wir unsere Umstände nicht als so schlimm erachten. Wir beginnen im Rahmen der angelernten Kompensationsstrategien unsere Situation, Reaktionen und Umstände zu verschleiern. Wir nehmen die Position des Opfers ein, geben die Eigenverantwortung an den Rest der Welt ab, um unsere Schuldgefühle loszuwerden und unser Selbstbild sowie Weltbild wieder zurecht zu rücken. Es kommt sogar vor, das Menschen in solchen Zuständen den Fakt als solches nicht mehr sehen, verstehen oder ausblenden. Wir haben das Gefühl, wir sprechen eine andere Sprache. Unverständnis macht sich breit auf beiden Seiten. Dies schürt Konflikte und das Gefühl der Unzulänglichkeit des Betroffenen.

Was tun bei Minderwertigkeitsgefühlen?

Es ist nicht leicht Minderwertigkeitsgefühle in den Griff zu bekommen. Sie werden auch nie ganz weggehen. Doch gibt es einige Hilfestellungen, um aus dieser negativen Denkspirale wieder herauszukommen. Denn umso länger wir von diesem Gefühl getrieben und beherrscht werden, desto schwieriger ist es, dies zu überwinden. Wenn es zur Normalität geworden ist, sehen wir oft unsere eigenen Erfolge nicht mehr, der Blick für das Positive schwindet und selbst kleine Niederlagen werden als massiv wahrgenommen. Die Abwertung unserer selbst gräbt sich tief in die Persönlichkeit ein. Die eigenen Unzulänglichkeiten beherrschen unsere Denk- und Verhaltensweisen.

Der erste Schritt

Unseren eigenen Anspruch zu hinterfragen, kann sehr erleichternd sein. Sich selbst gegenüber verständnisvoller und offener zu sein hilft dabei, auch mal loszulassen und dem Wunsch nach Perfektion entgegenzutreten. Toleranz zu üben bei den Dingen, welche nicht sofort und perfekt funktionieren, Lernerfahrungen auch als solche zu sehen und weg gehen von der Kompliziertheit hin zur Einfachheit zeigen und öffnen ungeahnte Türen.

Mit diesen leichten Tools und regelmässiger Anwendung sind wir in der Lage, unser Selbstbild als auch unser Fremdbild zu verändern. Ich lade dich ein, dir vorzustellen, dass dich dein minderwertiges Gefühl einnimmt, weil du denkst du würdest dein Projekt nicht rechtzeitig zum Abgabetermin fertig haben. In aller Regel beginnen wir uns nun unter Druck zu setzen und betreiben Raubbau an unseren eigenen Geist und Körper.

Wenn es dir gelingt diesen Moment bewusst zu machen, ist das schon die halbe Miete. Dieser Moment ist wichtig und die Basis für Veränderung. Bleibst du nun auch bei dir, arbeitest konzentriert an DEINEM Projekt weiter ohne dich selbst unter Druck zu setzen, getreu den Motto … «Es ist nicht perfekt und das ist gut so! Dafür bin ich in anderen Dingen richtig gut und sogar besser als der Rest der Welt!» wirkt nicht nur stimmungsaufhellend, sondern auch positiv auf deinen Fokus. Du hast Spass bei deiner Sache und kannst so deine Fähigkeiten und Fertigkeiten gut abrufen und umsetzen.

Das zu erkennen, zu akzeptieren und anzunehmen ist der erste Schritte zu einem gesunden Selbstwertgefühl. Wir dürfen aufhören, unser eigenes Handeln generell als unzulänglich zu betrachten und unsere Selbstansprüche herunter zu schrauben.

Zunächst ist es wichtig, sich selbst zu beobachten und wahrzunehmen. Dadurch bekommen wir ein Gefühl für uns selbst und können unsere Gedankenströme einordnen, analysieren und erkennen. In dem wir darauf achten, was uns durch den Kopf geht, können wir die Ursache für das Minderwertigkeitsgefühl ausmachen.

Der zweite Schritt

Im nächsten Schritt dürfen wir uns überlegen warum dieses Gefühl in einer bestimmten Situation oder bei einem bestimmten Menschen ausgelöst wird. Kommen wir dem auf die Schliche, ist es in der nächsten Situation schon etwas besser damit umzugehen. Wenn wir unseren inneren Kritiker unter Kontrolle bekommen wollen, ist es wichtig, dass wir lernen uns selbst wertzuschätzen.

Der dritte Schritt

Das heisst, dass wir unsere Einstellung zu uns selbst verändern müssen. Wir sind nicht schlechter oder weniger gut als andere, wir sind gleichwertig und doch andersartig. Jeder hat seine Stärken und Schwächen, es gibt immer zwei Seiten der Medaille. Sich selbst besser kennen zu lernen und einschätzen zu können, hilft innere Stärke zu entwickeln. Durch das Konzentrieren auf unsere Stärken oder auf das, was wir gut können, schenken wir uns selbst Beachtung. Wir schenken uns selbst Lob und Anerkennung. Das wiederum mindert unsere Selbstabwertung.

Mir persönlich hat es geholfen, ein Glückstagebuch zu schreiben. Ich habe jeden Tag mindestens 3 positive Dinge aufgeschrieben, auch an den Tagen, welche offensichtlich alles andere als erfolgreich oder positiv waren. Das habe ich für 3 Monate konsequent durchgeführt. Nach ca. 3 Wochen bemerkte ich die ersten Erfolge in meiner Denkweise und entsprechend auch in meinem Verhalten.

Der vierte Schritt

Es ist wichtig, fair und aufrichtig uns selbst gegenüber zu sein. Hierbei denke ich an unsere eigenen Erwartungen. Der Drang nach Perfektion schwingt sehr oft mit. Dadurch, das wir uns durch unser Perfektionsstreben immer selbst Druck machen, gewinnen die Minderwertigkeitsgefühle an Stärke.

Doch gilt es hier, auch mal loszulassen und den Druck raus zunehmen. Sich einen Moment Zeit zu nehmen, tief durchzuatmen und dies so intensiv wie nur möglich aufzunehmen. Das wirkt beruhigend und gibt neue frische Energie. Noch dazu wird der Kopf frei und dein vegetatives Nervensystem dankt es dir.

Höre auf zu vergleichen. Du bist ein Original, einzigartig und wundervoll.

Bring dich nicht selbst in den endlosen Wettbewerb mit deiner Umwelt, sondern vergleiche nur dein Ich von gestern mit dem von heute. Beginne damit, dir deinen eigenen Massstab unter Einbezug deines persönlichen Wohlergehens zu schaffen. Denn Wertschätzung fängt immer bei uns Selbst an. Handele klug und lerne aus den Fehlern der anderen. Mache dich von dem Aussen, der Anerkennung und Aufmerksamkeit durch dein Umfeld unabhängig.

Zum Mensch sein gehört das Gefühl der Minderwertigkeit, das hat schon Alfred Adler gesagt. Doch der Umgang mit unseren negativen Gefühlen bestimmt, in wieweit sich diese auf unser Leben auswirken.

Es gibt ein schönes Sprichwort:

„Es gibt kein Innen, es gibt kein Aussen. Denn so wie innen, so auch aussen!“

Bis Bald,

Eure Katja

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